Benzinpreise

Nachdem die Diskussion um das steigen der Benzinpreise in vollem gange ist, hat auch cheesy eine Kolumne zum Thema verfasst. Und ich konnts nicht lasten, einen etwas sarkastischen Text dazu zurĂŒckzuschreiben… 😉

Sehr geehrte Frau K

Soeben habe ich Ihre Kolumne gelesen, betreffend der aktuellen
Benzinpreisentwicklung.

Obwohl Ihre Seite bei mir stets auf Bewunderung stösst und auch Ihre
aktuelle Kolumne bei mir in einigen Punkten meine Zustimmung findet, muss
ich Ihnen doch in anderen leider widersprechen.

Dass das Auto ein Hobby und zumindest fĂŒr einige Leute, mich eingeschlossen
auch nicht nur ein fortbewegungsmittel ist und schon gar kein Existenzminum
steht ausser Frage. NatĂŒrlich ist es auch ein relativ kostspieliges Hobby.
Allerdings muss man, wie auch bei jedem anderen Hobby einen Ausgleich
zwischen Hobby und den eigenen finanziellen Möglichkeiten finden. Ein
Normalverdienender Briefmarkensammler könnte sich z.B. nicht 100 jÀhrige
SonderprĂ€gungen fĂŒr etwas ĂŒber 100’000.- leisten. Dies nicht etwa, weil er
zu geizig ist seinem Hobby nachzugehen, sondern vielmehr weil dann andere
wichtige Dinge im Leben wie z.B. das Essen oder die Familienangehörigen zu
kurz kÀmen.
Oder ein Modellbauer kann auch nicht mehr seine 3 Modelle pro Monat
zusammenbauen, wenn die Preise der Rohstoffe (in diesem Fall Lack, Farbe,
Leim, usw.) um ein vielfaches ansteigen; er wird sich dann auf 1-2 Modelle
pro Monat beschrĂ€nken mĂŒssen, ohne die Freude an seinem Hobby zu verlieren.

Um zurĂŒck zu den Hobby Autofahrern zu kommen: Sie argumentieren weiter,
dass Sie alleine fĂŒr die Versicherung mehr bezahlen als fĂŒr das Benzin.
Dies lÀsst die Vermutung aufkommen, dass sie jÀhrlich entweder sehr wenige
km fahren, oder ein sehr sparsames Auto fahren, oder beides. In meinem Fall
z.B. bezahle ich schon innerhalb 2-3 Monaten mehr fĂŒr das Benzin als fĂŒr
die Versicherung im Jahr. Dies liegt sicher auch daran, dass ich pro Tag
etwa 60km Arbeitsweg quer durch die Stadt zu fahren habe und den selben weg
abends nochmals zurĂŒcklege, ebenfalls am Wochenende. So komme ich pro Woche
auf etwa 600km. Bei einem Auto, dass durchschnittlich etwas mehr als 10l
auf 100km braucht ist dies doch ein Ordentlicher Betrag, zumindest fĂŒr
meine VerhÀltnisse.
Sehr gerne wĂŒrde ich als Auto-Fan auch ein 3- oder mehr Liter Auto fahren,
was dann den Benzin verbrauch in etwa verdoppeln wĂŒrde, gepaart mit höheren
Unterhaltskosten wie Versicherungen, Service, usw. Hier bin ich leider an
einem Punkt angelangt, bei dem es meine finanziellen VerhÀltnisse mit einem
Jahresverdienst von doch deutlich unter 100’000.- leider nicht mehr
zulassen und ich mich bei der Wahl eines Autos auf ein 2-liter Modell
beschrÀnken muss; und das obwohl ich sehr gerne ein 3-liter Auto fahren-
und ich auch einen kleinen, d.h. mir zumutbaren Aufpreis in Kauf nehmen
wĂŒrde. So Ă€hnlich wird es wahrscheinlich jemandem gehen, dem sein Hobby das
Ferrari Sammeln ist, der aber unterhalb des 1 Mio. Verdienstes jÀhrlich
auskommen muss.

Genau so geht es mir und etlichen anderen Autofahrern zur Zeit wo die
Benzinpreise immer weiter steigen.

Trotzdem Stimme ich Ihnen natĂŒrlich zu, dass das nicht mehr „Fahren an
einem bestimmten Tag“, oder das „Meiden einer bestimmten Gesellschaft“ wie
kĂŒrzlich in einigen Mails kursierte nicht die Lösung ist. Genauso werde ich
auch nicht wesentlich weniger fahren als bisher; z.B. werde ich nicht auf
die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen um zur Arbeit zu kommen und auch
der regelmÀssige Ausgang wird weiterhin mit dem Auto stattfinden.
EinschrÀnken werde ich mich lediglich, bei Veranstaltungen bei denen das
Preis/LeistungsverhĂ€ltnis fĂŒr mich nicht stimmt (z.B. wenn eine
Veranstaltung in ZĂŒrich ist und in Bern eine Ă€hnliche stattfindet, werde
ich mich fĂŒr eine entscheiden, bzw. nach Mitfahrgelegenheiten suchen), oder
bei Langstrecken-Fahrten, wie beispielsweise meine regelmÀssigen
Shoppingtouren nach Frankfurt, wo ich in Zukunft dem Flugzeug, dass
mittlerweile billiger als das Auto geworden ist den Vorzug geben werde.

Zu Ihrer Argumentation, dass das Autofahren kein Grund-Menschenrecht ist,
möchte ich allerdings auch noch etwas hinzufĂŒgen: In der Schweiz ist dies
nicht ganz der Fall. Denn ein Auto, sowie eine Lederjacke, Fernseher und
einige kleinere Accessoires wie z.B. ein Natel sind hierzulande
gesetzliches Existenz-Minimum und werden ggf. vom Staat bezahlt.

Nichtsdestotrotz werde ich Ihrer sehr guten Seite weiterhin treu bleiben
und auch Sie persönlich erhalten weiter meine uneingeschrÀnkte Bewunderung.

Hochachtungsvoll,

Steven Varco
Japanischer Sportwagen Fahrer

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